Mit der Sony A6000 im Wildpark – ein kleiner Erfahrungsbericht

Ende Oktober bat sich mal wieder die Gelegenheit den Wildpark in Bad Mergentheim zu besuchen. Diesmal wollte ich nur mit kleinem Gepäck unterwegs sein und das bedeutete dass der Fotorucksack mit der EOS 5DIII zu Hause blieb. Die Bilder zu diesem Fotoausflug gibt es in einem separatem Beitrag.
Diese sind hier zu finden:
https://bastianonline.wordpress.com/2015/11/08/besuch-im-wildpark-bad-mergentheim-november-2015/
Bzw. auf meiner Webseite: http://www.bastian-online.de/html/fotoalbummergentheim.html
Dort aber nicht unterschieden nach Kameras

Ausstattung
Da ich den Wildpark schon öfter besucht hatte weiß ich, welche Brennweiten für mich passend sind. Das FE 70-200/4 sollte für die meisten Bilder ausreichend sein. Für die Bilder vom sibirischen Uhu habe ich das 10-18/4 eingepackt und für die Wolfsbilder wurde das Tamron 150-600 mit dem EF auf Sony Adapter eingeplant. Das hieß: Für die wenigsten Bilder das schwerste Objektiv – aber, es hat sich gelohnt.
Zu EOS Zeiten hatte ich folgendes Equipment dabei: Die EOS 5DIII, das EF 70-200/2,8 mit 2* Konverter, des EF 24-105/4 (für den sibirischen Uhu) und das Tamron 150-600.
Und bei beiden Systemen natürlich noch der übliche Kleinkram.

Akkulaufzeit
Liest man in Internetforen, so ist die Akkulaufzeit der spiegellosen Kamreras ein großes Problem.
Nun, da ich bei beiden Kameras mit der Serienbildfunktion fotografiere, um bei Actionaufnahmen das richtige aus der Serie herauszusuchen ist meine Erfahrung: Die A6000 verlangte nach ca. 1.500 Auslösungen einen neuen Akku. Die 5DIII verlangt erst nach  über 3.000 Auslösungen einen neunen Akku, aber: Bei halbem Akkustand schaltet die 5DIII die Serienbildgeschwndigkeit auf 3fps herunter. Das heißt für mich, da ist Akkuwechsel angesagt und der halbvolle wird gegen einen neuen vollen ausgetauscht. Damit ist der Stromverbrauch meiner Meinung nach kein gewichtiges Argument mehr.

Handling
Für das Handling ist für mich entscheidend wie schnell ich einzelne Modi ändern kann.
Nach dem ich die Knöpfe meiner A6000 für mich entsprechend konfiguriert habe ist der Griff ins Menü nur noch zum Formatieren und zum Ein- Ausschalten des SteadyShot notwendig.
Wichtige Einstellungen sind für mich:
Umstellung Bildfolgemodus (Einzelbild, Serien, …)
AF-Modus (Weit, Feld, …)
Im MF die Suchervergrößerung
Umschaltung AF/MF
Das kann ich alles blind bedienen ohne die Kamera vom Auge zu nehmen. Dazu gehört natürlich ach die Verstellung des AF-Feldes bei Flexible Spot.

Und wie sieht es bei der 5DIII aus? Die AF Feld Verstellung erfolgt durch den dedizierten Joystick schneller, aber nicht so schnell, das ich dabei Motive verlieren würde.
Die Umschaltung MF/AF ist an den Objektiven. Für den AF Modus ist es etwas umständlicher.

Autofokus
Hier offenbarten sich die größten Unterschiede. Schade, dass es kein System gibt, das beide Welten vereint. Nun, an der 5DIII fotografiere ich gerne  mit einem Fokuspunkt und den umliegenden Feldern. Das hat natürlich zur Folge, dass dieser regelmäßig verschoben wird. Bei der A6000 verwendete ich bei den meisten Aufnahmen den Modus „Breit“  und AF-Verriegelung. Der Fokusmodus „Breit“ analysiert das gesamte Bild und stellt auf das scharf, das am nähesten und am kontrastreichesten ist mit Schwerpunkt auf Gesichtern. Ich weiß, diese Erklärung ist jetzt nicht 100% exakt soll aber verdeutlichen wofür sich der AF entscheidet. Die ähnliche Funktion bei der 5DIII zu nehmen, das sind dann alle Fokuspunkt mit Startfeld zur Fokusübergabe funktioniert leider nicht wie gewünscht, da die Fokusübergabe bei der 5DIII systembedingt nicht so funktionieren kann wie bei der A5000. Mit der AF-Verriegelung der A6000 wird ein bestimmter Bereich angemessen und die Kamera versucht dann diesen bereich im Fokus zu halten wenn man die Kamera verschwenkt.
Meine Erfahrung nach ist dieses Verfahren der AF Messfeldübergabe an der 5DIII überlegen. jedenfalls funktionierte es wesentlich zuverlässiger.
Die große Stärke des AF der 5DIII war beim sibirischen Uhu und den herumfliegenden Geiern gekommen. Der AF der A6000 konnte dem anfliegenden Uhu kaum folgen und hatte auch bei an- und abfliegenden Geiern so seine Probleme. Die Werbebotschaft von Sony, dass der AF der A6000 auch Motiven problemlos folgen kann die sich direkt nähern ist wohl nur bei langsamer Näherung erfüllt. Meine Erfahrung zeigte da, dass der AF schon Probleme hatte den Uhu im Fokus zu halten.
Desweiteren fokussiert die 5DIII weiter, wenn man während der AF Verfolgung die Brennweite ändert. Die A6000 stoppt sofort wenn man am Brennweitenring dreht. Dann heißt es nur, den Auslöser wieder halb durchdrücken damit sie weiterfokussiert. Dieses Verhalten ist ungewöhnlich, aber man kann sich daran gewöhnen.
In der Summe finde ich den AF der A6000 absolut ausreichend für Tierfotografie – und zwar nicht nur schlafende Katzen.

Geschwindigkeit
ca. 10B/s sind schon überzeugend, besonders wenn man Action Szenen hat. Ich gestehe, ich suche dann das mir passende Bild aus der Serie heraus.  Die 5DIII fällt da doch von der Leistung ab – zumal man bei ihr immer den Akkustand im Auge haben muss.

Sucherbild
Ein weiterer Unterschied ist im Sucherbild zu sehen. Der optische Sucher der 5DIII zeigt ohne delay das Bild an. Der elektronische Sucher der A6000 ist gewöhnungsbedürftig. Ich habe keine Bilder durch eventuell auftretende Verzögerungen in der Bilddarstellung verpasst – Mein Eindruck ist auch, dass die Verzögerung eher in theoretischer Natur begründet ist. Der Hauptvorteil den ich sehe ist, dass ich vor dem Auslösen sehe wie die Belichtung ist. Dank zugeschaltener Zebrafunktion kann ich im Sucher sehen welche Bereiche überbelichtet sind und das schöne ist, ich kann sofort entgegensteuern. Ohne die Kamera vom Auge zu nehmen kann ich die Belichtung ins Plus oder ins Minus korrigieren. Selbst bei Auto-ISO. Ich fotografiere  mit Zeit und Blendenvorwahl, die richtige Belichtung muss die Auto-ISO bringen. Mit der 5DIII fotografiere ich genau so, allerdings muss ich bei Belichtungskritischen Motiven in der Bildnachschau kontrollieren ob Bereiche ausgefressen sind. Da die 5DIII keine Belichtungskorrektur bei „M“ kennt ist da die Korrektur sehr viel aufwändiger.
Hier geht das Plus eindeutig zur A6000.

Objetivauswahl
Für die A6000 gibt es weniger native Linsen als für Canon – wirklich?
Vergleichen wir doch mal gerechterweise APS-C Sony vs. APS-C Canon:
Ultraweitwinkel:
Sony 10-18/4 – EF-S 10-22mm f/3.5-4.5 USM
Standardzoom:
Sony PZ 16-50   <-> 18-55
Telezoom:Sony SEL-55-210<-> EF-S 55-250mm

Damit sind die wichtigsten Bereiche erst mal angedeckt.
Unterschiede gibt es bei den Makros beispielsweise:
Sony 35 mm makro  <-> EF-S 60mm f 2.8 MACRO

Mein Standardobjektiv im Zoo und Wildpark:
Sony FE 70-200/4   <-> Canon EF 70-200/4

Es fehlt für die APS-C Fotografen sowohl für Sony als auch für Canon auf APS-C ausgelegte Linsen im langen Brennweitenbereich.
Tilt/Shift Linsen gelten bestimmt nicht als Butter und Brot Linsen, eher für spezielle Anwendungszwecke. Aber dafür ist eine A6000 auch nicht unbedingt gedacht.

Meiner Meinung nach ist das native Sony Objektivprogramm durchaus für die meisten ausreichend. Potential gibt es immer, wie beispielsweise ein natives 60mm Makro für APS-C.
Vieles kann mit Adapter an die Sony angeflanscht werden, je nach Adapter auch mit AF.

Nachbearbeitung
Die Nachbearbeitung erfolgt mit Lightroom.

Mein persönliches Resümee:
Kann die A6000 eine EOS 5DIII im Wildpark oder Zoo ersetzen? Für mich heißt die Antwort ja.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass man eine APS-C Kamera mit einer KB Kamera vergleicht. Obwohl solche Vergleiche hinken lasse ich diesen doch jetzt zu.
Ja, die Freistellung wie mit einer Kb Kamera erreciht man mit APS-C nicht. Ja, es gibt keine 2,8er Optik.
Und auf der anderen Seite sieht man es den Bilder nicht unbedingt an, dass eine APS-C Kmaera dahinter steht.
Das Gesamtpaket A6000 und FE 70-200/4 ist eine für mich gute und ausreichende Kombination. Smart und doch sehr leistungsfähig.

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